In Rubrik „Schätze aus der Mitte“ findest Du Texte, die beim Journaling, also dem handschriftlichen Schreiben nach der Meditation entstanden sind. Ich veröffentliche die Texte, die allgemeine Themen betreffen und bei der persönlichen Weiterentwicklung hilfreich sein können.

Der Umgang mit Störungen

Dies ist ein Beitrag aus der Reihe „Schätze aus der Mitte“. In dieser Reihe veröffentliche ich Texte, die beim handschriftlichen Schreiben nach der Meditation entstanden sind. Die Welt ist voller Ablenkungen und Störungen. Und so ist auch die Meditation. Meistens sind es die Gedanken, die wie eine Affenherde durch den Kopf schießen. Aber heute ist es eine penetrante Stubenfliege. Ich sitze auf meinem Meditationsbänkle. Atme ein, atme aus. Eine Fliege umschwirrt mich. Setzt sich auf meinen Arm, spaziert darauf herum. Ich nehme die kitzlig-nervigen Bewegungen wahr und den Impuls, die Fliege zu verscheuchen. Der Gedanke an Reiz und Reaktion taucht auf. Natürlich weiß mein Verstand, dass es in der Meditation auch darum geht, den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu vergrößern. Ich lasse die Fliege noch eine Millisekunde gewähren. Denke, nicht an den Raum zwischen Reiz und Reaktion, sondern ans Aushalten. Denke, dass es bei der Meditation nicht nur ums Aushalten geht und mir dieser Reiz-Reaktions-Raum gerade im Moment sch....egal ist. Beschließe, dass ich die Fliege verjagen. Schwupps! Weg ist sie. Das alles in Sekundenbruchteilen. Ich kehre zum Atem zurück. Atme ein, atme aus. Die Fliege ist wieder da. Ich halte es einen kurzen Moment aus, bevor ich Sie verjage. Der Reiz-Reaktionsraum ist eher ein klitzekleines Räumchen. Das Spiel wiederholt sich. Ich atme ein, ich raste aus. Fühle mich schlecht. Habe das Gefühl, nein denke, versagt zu haben. Nehme den Gedanken wahr. Erkenne, was das für ein törichter Gedanke es ist. Nehme mich geistig in den Arm. Erkenne meine Anspannung, mein Bedürfnis nach Gelassenheit, meine Anstrengung des gutmachen zu wollen. All das sehe ich und habe plötzlich Mitgefühl mit dieser tapferen Person, die immer wieder von neuem versucht ein guter Mensch zu sein. Es piept. Ende der Meditation.