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Aufbruch Lebensmitte: Die Macht des Umfelds

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des „Aufbruch Lebensmitte Netzwerktreffens“. Ungefähr ein Mal im Monat treffen sich Frauen ab der Lebensmitte online zum Austausch. Es gibt Impulse zur Lebensgestaltung, aber auch Tipps oder Feedback zu Fragen, die die Teilnehmerinnen gerade bewegen. Hier findest du mehr Infos und kannst dich dafür anmelden: Anmeldelink

Der Mensch ist ein soziales Wesen

Das hört sich zunächst einmal fast banal an. Die Konsequenzen daraus sind es jedoch nicht. Einerseits brauchen wir andere Menschen (und andere Menschen uns), um glücklich zu sein. Das hat die Glücksforschung in verschiedenen Studien herausgefunden. Weitere Informationen dazu sind in diesem Artikel sehr gut zusammengefasst.
Der Philosoph Martin Buber hat einmal gesagt „Der Mensch wird am Du zum Ich“. Das deutet auf die zweite wichtige Wirkung hin, die andere Menschen auf uns haben. Indem wir uns mit anderen Menschen authentisch und wertschätzend auseinandersetzen, erkennen wir uns selbst besser und können uns persönlich weiter entwickeln.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Der verstorbene Motivationstrainer Jim Rohn hat einmal gesagt, dass jeder Mensch der Durchschnitt aus den 5 Menschen sei, mit denen er die meiste Zeit verbringe. Das ist eine interessante Feststellung, die jeder einmal für sich selbst durchdenken sollte. Mit welchen Menschen verbringe ich denn die meiste Zeit? Klar: Nicht alle Menschen können wir frei wählen. In Familien werden wir hineingeboren, Arbeitskollegen suchen wir uns nicht unbedingt aus. Aber zu einem gewissen Grad bestimmen wir sehr wohl mit: Wir haben uns irgendwann den Partner ausgesucht, mit dem wir eine Familie gegründet haben. Der Freundeskreis ergibt sich auch nicht rein zufällig. Wir umgeben uns mit Menschen, die ähnliche Werte und Vorlieben haben, wie wir selbst. Jemand, der die Sicherheit liebt und das Risiko scheut, wird sich nicht mit Menschen umgeben, die den Nervenkitzel brauchen, wie die Luft zum Atmen. Umgekehrt suchen die Adrenalin-Junkies auch nicht die Nähe zu Menschen mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis. Wer will sich schon gern vom anderen spiegeln lassen, wie langweilig (oder wie unverantwortlich) das eigene Handeln ist?

Ein Beispiel für die Macht des Umfelds

Die Ausgangssituation

Ein naheliegendes Beispiel, das die Macht des Umfelds eindrucksvoll aufzeigt: Frau X ist mit ihrem Job schon seit längerem nicht mehr wirklich zufrieden. Die Kinder brauchen sind flügge, der Job ist schon seit längerem Routine und neuerdings gehen ihr die jungen Kolleginnen zunehmen auf die Nerven. Was vielleicht auch daran liegt, dass in der Firma Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für erfahrene Mitarbeiterinnen nicht existieren.

Die Auswirkungen auf Frau X

Nun ist Frau X ein sicherheitsliebender Mensch. Ihr ist der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Und in ihrem Umfeld sehen das viele ganz genau so. Der Frust auf der Arbeit lässt sie aber doch ins Zweifeln kommen. Sie überlegt ernsthaft, ob sie kündigen soll – obwohl sie nur ein paar vage Ideen, keinen neuen Job und sehr viele Bedenken hat. Aber die Arbeitstage kosten sie so viel Kraft, dass sie sich auch in ihrer arbeitsfreien Zeit zu nichts mehr aufraffen kann.

Die Macht des Umfelds

Wann immer Frau X in ihrem Umfeld von ihren Plänen spricht, erntet sie überwiegend das Echo ihrer eigenen inneren Bedenken: Hast du dir das gut überlegt …. In deinem Alter findet man so schnell keine neue Stelle…. Das geht doch allen so…. Das sind die typischen Reaktionen und so gibt Frau X auf, bevor sie überhaupt ernsthaft damit begonnen hat, sich mit Alternativen zu beschäftigen. Ist ja doch nicht so schlimm und irgendwie wird es schon gehen.

Wenn wir uns kurz einmal vorstellen, wie sich dieselbe Situation in einem anderen Umfeld darstellen würde. Frau X kennt verschiedene Frauen, die alle mit über 50 noch einmal etwas Neues angefangen haben. Diese Frauen kann sie fragen, wie sie zum Ziel gekommen sind. Diese Frauen werden sie ermutigen und ihr sagen, dass es vielleicht nicht einfach, aber dennoch machbar ist. Sie werden sie ermutigen und an sie glauben, wenn ihr eigenes Selbstvertrauen noch nicht gut ausgebildet ist. Derlei ermutigt, wird sie sich ernsthaft mit Alternativen beschäftigen und auf diese Weise neue Möglichkeiten entdecken.

Es geht nicht darum, das eigene Umfeld komplett auszutauschen. Gerade für sicherheitsliebende Menschen ist eine Strategie der kleinen Schritte die bessere Wahl. Sie können sich z.B. überlegen, wer in ihrem Netzwerk hilfreich für ihr Vorhaben wäre und bewusst den Kontakt zu Frauen suchen, die bereits dort sind, wo sie noch hinwollen.

Wie Gruppen unser Leben bereichern

Das Beispiel hat gezeigt, wie unser Umfeld den eigenen Wünschen im Wege stehen kann und es dadurch die eigenen Ängste und den Widerstand gegen Veränderung noch verstärkt. Im Gegensatz dazu hat ein förderliches Umfeld viele Vorteile.

Die Anpassung an das Umfeld

Wenn ich mich z.B. mehr bewegen möchte, dann hilft es, mir Gleichgesinnte zu suchen, mit denen ich genau das tun kann. In grauer Vorzeit war die Zugehörigkeit zu einer Gruppe überlebenswichtig und bis heute ist das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ein sehr starkes Motiv. Wir passen uns an Gruppennormen an, weil wir dazugehören möchten. Wenn ein gesunder Lebensstil die Gruppennorm ist, werden wir automatisch auch gesündere Verhaltensweisen pflegen. Umgekehrt stimmt das leider auch. Wenn hoher Alkoholkonsum die Gruppennorm ist, werden wir uns auch daran anpassen.

Mehr Zufriedenheit und Stressresistenz

Der Begriff Kohärenzsinn oder Kohärenzgefühl wurde von dem Begründer der Salutogenese, Aaron Antonovsky erfunden. Er beschreibt die Fähigkeit des Menschen, seine Ressourcen so zu nutzen, dass er sich möglichst gesund erhalten kann. Durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Gleichgesinnten mit ähnlichen Werten und Zielen erfährt unser Weltbild Bestärkung und unser Handeln erscheint uns sinnvoll. Die gegenseitige Unterstützung bestärkt uns in dem Eindruck, dass sich Aufgaben bewältigen lassen. Das Gefühl der Kohärenz macht uns zufriedener und stressresistenter.

Stärkeres Selbstvertrauen

Warum Gruppen auch unser Selbstvertrauen stärken? Man könnte einwenden, dass das Selbstvertrauen doch eher durch Dinge gestärkt wird, die wir alleine erreichen. Das trifft natürlich auch zu. Aber es gibt auch das Phänomen, dass gemeinsam Erreichtes auch auf das Individuum zurückwirkt. Man denke nur einmal an eine Choraufführung, auf die man sich gemeinsam monatelang vorbereitet hat. Wenn der Auftritt dann gelungen ist – vielleicht auch durch hervorragende Solisten – so empfinden doch alle das Gefühl, dass sie etwas Hervorragendes geleistet haben.

Mehr Selbstwirksamkeit

Das Konzept der Selbstwirksamkeit geht auf den amerikanischen Psychologen Albert Bandura zurück. Bandura war davon überzeugt, dass Menschen nur dann handeln, wenn sie davon ausgehen, dass sie diese Handlung auch tatsächlich erfolgreich ausführen können. Das Umfeld hat einen starken Einfluss auf diese Selbstwirksamkeitsüberzeugung: Hört man immer wieder von anderen Menschen, dass man ein Versager ist, werden diese Überzeugungen nachhaltig geschwächt. Oder anders ausgedrückt: Das Umfeld spielt eine wichtige Rolle dabei, ob wir Ziele erreichen oder nicht.

Vorbehalte gegen das Netzwerken

Obwohl es so viele Vorteile gibt, gestalten viele Menschen ihr Netzwerk nicht bewusst. Es gibt nämlich auch viele Vorbehalte gegen das Netzwerken. Nachfolgend eine Liste gängiger Vorurteile:

  • Ich bin nicht interessant genug, um mit anderen Menschen zu reden
  • Ich bin zu schüchtern, um auf andere Menschen zuzugehen
  • Ich habe nichts Wertvolles beizutragen/anzubieten
  • Ich brauche kein Networking, weil ich alles alleine schaffen kann
  • Ich habe keine Zeit für Networking
  • Ich bin nicht authentisch, wenn ich Networking betreibe
  • Networking ist manipulativ
  • Networking machen nur „karrieregeile“ Menschen
  • Ich kann nicht so viele langfristigen Beziehungen pflegen
  • Networking ist anstrengend
  • Wenn ich andere Menschen anspreche, könnten sie es als aufdringlich empfinden
  • Auf Networking Veranstaltungen möchte ich lieber „entdeckt“, also angesprochen werden.
  • Beim Online-Networking habe ich Angst vor Datenmissbrauch
  • Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht und fürchte, ausgenutzt zu werden

Sicher gibt es noch mehr individuelle Gründe. Es sind Vorbehalte und keine absoluten Wahrheiten. Es mag karrieregeile Menschen geben, die networken, um ihre Karriere zu pushen. Genauso gibt es aber auch Menschen, die networken, weil sie erkannt haben, dass man gemeinsam mehr erreichen kann und dabei auch mehr Spaß haben kann.

Die Macht des Umfelds ist groß und wir dürfen sie für uns nutzen

Ich finde, dass das Umfeld einen großen Einfluss auf unser Leben hat. Deshalb lohnt es sich auch, von Zeit zu Zeit einmal zu prüfen, ob das Umfeld noch zu uns passt. Wenn wir uns weiterentwickeln oder die Lebensumstände sich ändern, passt das Umfeld vielleicht nicht mehr ganz zu uns. Ein Netz besteht aus vielen Maschen. Es geht nicht darum, das ganze Netz auszutauschen, sondern das Netz so zu bauen, dass es förderlich für uns ist. Das bedeutet vielleicht, dass wir manche Menschen loslassen. Oder wir suchen aktiv nach Menschen, die schon dort sind, wo wir noch hinwollen.

Ich finde nicht, dass das manipulativ ist, denn jede Beziehung ist gegenseitig. Wir können niemand in unser Netzwerk hineinzwingen. Wir können der Anderen ruhig unterstellen, dass sie selbst wissen, was gut für sie ist. Ich finde, dass ein passendes Netzwerk wie Rückenwind ist. Es würde sich freiwillig doch auch niemand Gegenwind aussuchen, oder?


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