Die Blogparade zum Jahresmotto / Wort des Jahres ist zu Ende. Vier Wochen lang haben Bloggerinnen (und ein Blogger) Leitworte, Mottos und Jahresthemen geteilt – und ich habe mitgelesen, mitgedacht und mich immer wieder berühren lassen. Was dabei entstanden ist, geht weit über eine Sammlung schöner Worte hinaus. Es ist ein vielstimmiges Bild davon, wie wir uns selbst Orientierung geben können – und das in einer Zeit voller Umbrüche und Krisen.
Bevor ich die Beiträge vorstelle, möchte ich kurz innehalten bei dem, was mich beim Lesen am meisten beschäftigt hat: Wie entsteht ein Motto eigentlich – und wozu ist es gut?
Wie ein Motto uns findet
Auffällig viele Teilnehmende beschreiben, dass sie ihr Wort nicht gesucht, sondern gefunden haben – oder richtiger: dass es sie gefunden hat. Cathleen Roeder erzählt, dass sich ein Satz in ihrem Kopf eingenistet hat und nicht mehr gehen wollte. Lisa Engel schreibt darüber, dass sich ihr Weg „im Gehen“ geformt hat und das Thema sie irgendwann einholte. Mir selbst ist es so ergangen, dass das Wort „Fülle“ plötzlich mit Wucht auftauchte – scheinbar aus dem Nichts.
Das ist kein Zufall. Ein echtes Motto ist kein Vorsatz, den wir uns auferlegen. Es ist eher ein Spiegel dessen, was in uns bereits reift – eine innere Bewegung, die nach einem Ausdruck sucht. Susanne Sprenger bringt das schön auf den Punkt: Ihr Motto soll kein „guter Vorsatz“ werden, sondern still im Hintergrund mitschwingen und Entscheidungen gedanklich begleiten.
Genau darin liegt die Kraft eines Mottos: Es muss nicht laut sein, um zu wirken, aber es muss bewusst sein.
Womit hilft ein Motto konkret?
Beim Lesen habe ich mich gefragt: Was leisten diese Worte eigentlich im Alltag? Die Antworten, die ich aus den Beiträgen herausgelesen habe, lassen sich grob in drei Bereiche fassen.
Weniger Tempo, mehr Qualität
Mehrere Mottos stehen für eine ganz bewusste Verlangsamung – nicht als Rückzug, sondern als Qualitätsentscheidung.
Kerstin Salvador hat mit „In Ruhe wirksam“ den scheinbaren Widerspruch zwischen Wirksamkeit und Ruhe aufgelöst: Fokus statt Multitasking, bewusste Pausen statt permanentem Output. Nicole Gerbatsch geht mit „Ich gehe meinen Weg – langsam, echt, genug“ noch einen Schritt weiter: Sie beschreibt eine Abkehr vom äußeren Takt hin zum eigenen Rhythmus. Angelika Kindt bringt es mit ihrem Leitwort „Gelassenheit“ auf eine klare Formel: „Nicht jede Dringlichkeit von außen ist meine.“ Verena Krause sucht mit „Einklang“ Stimmigkeit zwischen Tempo, Energie und Natur – nicht als Antreiber, sondern als Haltung. Und Kerstin Rauch setzt mit „Lust“ einen erfrischenden Gegenentwurf zur effizienzgetriebenen Welt: Lust als echte Lebensqualität, nicht als Belohnung nach getaner Arbeit.
Was diese Mottos verbindet: Sie alle verweigern die Beschleunigung. Und sie zeigen, dass hinter jedem dieser Worte eine Entscheidung steckt – die Entscheidung, das Tempo des eigenen Lebens selbst zu bestimmen.
Haltung zeigen
Manche Mottos sind nach innen gerichtet, andere nach außen. Diese hier stehen für beides: Sie zeigen, wer man sein will – und wie man das nach außen trägt.
Heike Brandl hat mit „Bewegen. Begeistern. Bewirken.“ ein Motto gewählt, das sowohl beruflich als auch privat als klarer Kompass dient – mit konkreten Entscheidungskriterien, alltagstauglichen Routinen und reflektierenden Leitfragen. Was mir daran besonders gefällt: die Konsequenz, mit der sie es in den Alltag übersetzt. Mirjam Cohrs erinnert mit „Veränderungen gestalten“ daran, dass Entwicklung weniger mit Kontrolle als mit bewusster Entscheidung zu tun hat – eine klare Haltung in einer Zeit, die für sie voller gleichzeitiger Anforderungen steckt.
Stefan Krusel hat mit 60 entschieden, sich nicht länger kleinzumachen. Sein Leitwort „Türöffner“ steht für selbstgewählte Präsenz – und der Weg dorthin war ebenso aufschlussreich wie das Wort selbst: Er hat bewusst Alternativen wie „Sichtbarkeit“ verworfen, weil sie ihm nicht stimmig genug erschienen. Lorena Hoormann beschreibt mit „Raus damit!“ eine Haltung, die aus ihrer Biografie gewachsen ist: weg von Anpassung und Funktionieren, hin zu dosierter Sichtbarkeit in passenden Räumen. Nicole Isermann denkt mit „Wenn Worte Wellen schlagen“ die Frage weiter: Wie wirken unsere Worte – auf andere, aber auch auf uns selbst? Ihr Motto ist zugleich Einladung und Verpflichtung, Sprache als Wirkungskraft zu begreifen.
Dem eigenen Weg vertrauen
Die vielleicht tiefste Gemeinsamkeit in dieser Blogparade ist der Wunsch, sich selbst treu zu bleiben – und das aktiv zu wählen, nicht einfach zu erlauben.
Lisa Engel hat mit 60 den Weg der Künstlerin eingeschlagen und weiß heute: Der Weg hat sich im Gehen geformt. Ihr Motto „Dem eigenen Weg vertrauen“ ist ihre Einladung und Erinnerung, die Intuition wieder mehr sprechen zu lassen. Anette Schade fasst es mit „I go with my own flow“ zusammen: bei sich bleiben, Entscheidungen mehr von innen treffen, Grenzen klarer setzen. Sabine Landua wählt das Wort „Fokus“ – und meint damit keine Verengung, sondern das Schaffen von Rahmen, in denen das Wesentliche Raum bekommt. Susanne Bach findet nach einem Umzug mit „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ einen Kompass, der ihr hilft, nicht im Verlust zu verharren, sondern offen zu werden für Neues.
Silke Geissen schließlich wählt mit „Elefantastisch – erfolgreich verbunden mit dem Leben“ ein Motto, das Kraft und Humor vereint. Erfolg wird neu definiert: nicht über Status oder Einkommen, sondern über Verbundenheit, Körperliebe und inneres Wachstum. Der Elefant steht dabei für Ausdauer, Empathie und die Fähigkeit, auch schwierige Wege besonnen zu gehen.
Und Manuela Seubert bringt mit „Schöne Momente sammeln“ eine aktive, alltagsnahe Qualität ein: bewusst hinschauen und wahrnehmen, was das Leben Schönes bietet – beruflich wie privat. Dass die Abkürzung SMS heißt, hat mich schmunzeln lassen – und gleichzeitig ist es ein cleverer Erinnerungsanker, der das Motto im Alltag lebendig hält.
Fülle, Leichtigkeit und Wohlwollen – Mottos als Kompass
Drei Worte aus der Blogparade verdienen noch einen eigenen Moment. Sie wirken auf mich wie ein innerer Kompass: weniger eine Absicht, mehr eine Einladung, mehr die Person zu sein, die man gerne sein möchte.
Bettina Kuhn wählt „Leichtigkeit“ – und beschreibt, dass sie nicht einfach da ist, sondern entsteht: durch Sortieren, Klären, Verantwortung annehmen. Lydia Gajewsky lädt mit „Wohlwollen“ dazu ein, sich selbst und anderen unvoreingenommen zu begegnen – weich, ohne Kanten, ohne Appell. Cathleen Roeder erinnert mit „I celebrate all the greatness in my life“ daran, wie wichtig es ist, nicht nur vorwärtszuschauen, sondern auch anzuerkennen, was bereits gelungen ist. Und mein eigenes Leitwort „Fülle“ ist für mich kein Plan, sondern ein Filter: wahrzunehmen, was schon da ist, statt dem „Mehr“ hinterherzujagen.
Diese drei Worte zeigen vielleicht am deutlichsten, was ein gutes Motto leisten kann: Es verändert den Blick. Nicht die Umstände, aber die Art, wie wir ihnen begegnen.
Was bleibt
21 Menschen haben ihre Leitworte oder Mottos geteilt. Jedes davon ist einzigartig – und doch zeigt sich beim Lesen ein gemeinsamer Grundton: der Wunsch, bewusster zu leben. Weniger reaktiv, mehr aus sich selbst heraus. Weniger für andere, mehr für das, was wirklich trägt.
Ich bin dankbar für jede einzelne Stimme in dieser Blogparade. Sie haben mich zum Nachdenken gebracht – über Orientierung, über Entwicklung, und darüber, welche Kraft in einem einzigen, gut gewählten Wort stecken kann.
Und du? Hast du auch ein Motto oder Leitwort für 2026? Ich bin neugierig.

Wer schreibt hier?
Korina Dielschneider ist Life-Coach und begleitet Frauen in der Lebensmitte dabei, ihren Selbstwert zu stärken und ihr Leben bewusst neu auszurichten – mit Klarheit, Gelassenheit und dem Fokus auf Umsetzung.
In ihrem Blog und im buntbrief teilt sie Impulse zu Selbstfürsorge, Neuorientierung und dem Mut, den eigenen Weg authentisch zu gehen – bodenständig, ehrlich und mit Blick aufs Wesentliche.
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