Selbstcoaching-Tipp #1: Standortbestimmung

Selbstcoaching-Tipp #1: Standortbestimmung

Dieser Beitrag ist der Auftakt zu einer Serie von Tipps zum Selbstcoaching. Mein Wunsch ist es, möglichst viele Menschen auf dem Weg in ein zufriedenes, erfülltes Leben zu unterstützen. Selbstcoaching verstehe ich als Hilfe zur Selbsthilfe. Manchmal reicht ein Selbstcoaching-Tipp bereits für eine Veränderung zum Guten. Manchmal ist es ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen. Und manchmal braucht es einen ausgebildeten Coach um wirklich weiterzukommen.

Es ist ein bisschen wie beim Sport. Wenn ich ein konkretes Ziel habe, zum Beispiel mehr Ausdauer beim Laufen, dann kann ich im Internet Trainingspläne finden. Mit Selbstdisziplin und Ausdauer kann ich den Plan ausführen und dann genau dieses Ziel erreichen. Wenn ich nicht so viel Selbstdisziplin habe oder das passende Ziel nicht klar ist, kann mir ein Fitnesstrainer helfen. Der Trainer kann mit mir herausfinden, welches Ziel zu meinen Vorstellungen passt und was meine individuellen Herausforderungen dabei sind. Durch Trainingspläne und regelmäßige Treffen kann er mich anleiten und bei der Stange halten.

Für wen ist die Standortbestimmung?

Menschen brauchen Lösungen aus unterschiedlichen Gründen. Sei es, weil sie Sehnsüchte haben oder Wünsche verwirklichen wollen, sei es weil sie ein Problem haben, das sie lösen wollen. Manche Menschen würden von sich selbst gar nicht sagen, dass sie ein Problem haben. Sie stellen nur fest, dass irgend etwas fehlt. Vielleicht ist es Begeisterung, Energie, Zufriedenheit oder noch etwas anderes. Es läuft unter dem Radar durch. Kein wirkliches Problem, aber auch keine wirklich gute Situation. Für diese Menschen kann eine Standortbestimmung hilfreich sein.

Selbstcoaching mit dem Lebensrad

Das Lebensrad ist inzwischen ein ziemlich bekanntes Coaching Tool. Es ist einfach in der Anwendung und du kannst es immer dann einsetzen, wenn du dir Klarheit wünschst. Im Internet gibt es viele Varianten zum Ausdrucken und Ausfüllen. Meine Variante ist insbesondere auf die Situation in der Lebensmitte zugeschnitten und enthält 10 Bereiche, die ich für besonders relevant in dieser Lebensphase halte. Wie immer kann Deine individuelle Situation anders sein. Dann ersetze oder streiche einfach die Bereiche, die nicht passen.

Wie füllst du das Lebensrad aus?

Für jeden Bereich trägst du zwei Werte ein und zwar jeweils einen Wert zwischen 1 (ist maximal unbefriedigend) und 10 (läuft total super). Der eine Wert steht für die Situation wie sie derzeit ist, der andere für die Situation, wie du sie gerne hättest. Ich empfehle dir zwei Durchgänge und die Verwendung von zwei unterschiedlichen Farben. Erst markierst du die Werte, die deiner aktuellen Situation entsprechen in einer Farbe. Dann gehst du noch einmal durch alle Bereiche und markierst die Werte, die du gerne hättest, in der anderen Farbe. Wenn du dann die Punkte einer Farbe miteinander verbindest erhältst du zwei kreisförmige Linien: die IST-Linie in einer Farbe und die SOLL-Linie in der anderen. Im Raum zwischen diesen beiden Linien liegt dein Veränderungspotenzial und auch der Weg zu mehr Zufriedenheit. Wo die Abweichung am größten ist, liegt für Dich der größte Schatz.

Kreis mit 10 verschiedenen Bereichen. Jeder Bereich ist durch eine 10er Skala getrennt.
Lebensrad für die Lebensmitte

Die 10 verschiedenen Lebensbereiche dem Lebensrad fürs Selbstcoaching

Im Folgenden findest du Anmerkungen zu den verschiedenen Lebensbereichen – am Ende des Artikels findest du einen Link auf einen kostenlosen Leitfaden, den du dir herunterladen kannst. Dort habe ich neben der Beschreibung der Bereiche auch weiterführende Fragen aufgenommen, die dir beim Ausfüllen des Rades helfen können.

  1. Ehe/Partnerschaft
    Häufig ist es in der Lebensmitte so, dass die Kinder sich aus der Familie herauslösen oder dies bereits getan haben. Das verändert die Beziehungsdynamik zum Partner. 
  2. Verhältnis zu den Kindern
    Die Kinder gehen hinaus ins Leben und brauchen die Eltern nicht mehr so sehr. Statt dessen sind sie damit beschäftigt, sich einen Platz in der Welt zu erobern. Sie stellen vieles in Frage, machen Dinge anders als die Eltern. 
  3. Berufliche Situation
    Hier sind ganz verschiedene Situationen denkbar. Das ergibt sich schon alleine dadurch, dass ich die Phase der Lebensmitte altersmäßig zwischen Mitte 40 bis ungefähr 60 einordne.  Es kann sein, dass Du beruflich noch einmal durch- oder neu starten möchtest. Oder der Ruhestand ist schon in Sichtweite und es geht eher darum, Deine Expertise und Erfahrung zu bewahren und weiterzugeben. Vielleicht hast Du den Eindruck, dass es für Menschen in Deinem Alter nicht mehr so viele Chancen gibt. 
  4. Wohnsituation
    Die Kinder sind aus dem Haus oder es wird vorstellbar, dass das bald der Fall sein wird? Oder das Ende des Berufslebens zeichnet sich allmählich ab. Das hat vielleicht Auswirkung auf Deine Wohnsituation. Du brauchst nicht mehr so viel Platz – ein Umzug weg von der Arbeitsstelle wird jetzt zu einer Option.
  5. Finanzielle Situation
    Wenn Du noch am Anfang der Lebensmitte bist, hast Du noch genug Zeit, Rücklagen zu bilden und Deine Finanzen strategisch zu planen. Gegen Ende des Berufslebens stellen sich die Fragen nach finanzieller Sicherheit mit größerer Dringlichkeit und es bleibt nicht mehr so viel Zeit für die Bildung von Reserven.
  6. Gesundheit / Körper
    In diesem Bereich geht es darum, in welcher Verfassung Dein Körper und deine Gesundheit sind. In der Lebensmitte zeichnen sich erste Einschränkungen ab: jahrelange sitzende Bürotätigkeit hat die Rückenmuskulatur beansprucht. Der Körper erholt sich nicht mehr so schnell von körperlichen Belastungen. Körperliche Ausdauer und Beweglichkeit lassen nach, wenn Du nicht aktiv etwas dagegen unternimmst. Es machen sich vielleicht gesundheitliche Einschränkungen bemerkbar: Bluthochdruck, Arthrose oder andere Gelenkbeschwerden, Übergewicht.
  7. Sinn
    Ab der Lebensmitte melden sich typischerweise die Fragen nach dem Sinn vermehrt. Wir sind nicht mehr bereit, alles mitzumachen, sondern prüfen genauer ob es sinnvoll ist: nicht jeder Berg ist es wert, bestiegen zu werden. Dieser Bereich ist auch deshalb wichtig, weil Zufriedenheit und Lebensfreude eng mit Sinn zusammenhängen. 
  8. Freiheit / Autonomie
    Das Bedürfnis nach Freiheit und Autonomie ist ein grundlegendes psychisches Bedürfnis. Wenn Gefühle der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins auftauchen ist das ein klares Anzeichen dafür, dass dieser Bereich nicht optimal läuft. Das kann z.B. der Fall sein, weil der Arbeitsplatz von Umstrukturierung (oder überhaupt) bedroht ist, oder die autonome Lebensgestaltung wird durch die Pflegebedürftigkeit der Eltern auf die Probe gestellt.
  9. Kreativität
    Der chilenische Ökonom Manfred Max-Neef hat in den 1990er Jahren ein Modell menschlicher Grundbedürfnisse entwickelt und Kreativität ist eines dieser Bedürfnisse. Er definiert es als das Bedürfnis danach etwas zu schaffen oder zu erfinden, Fähigkeiten und Fertigkeiten einzusetzen oder auch produktiv zu sein.
  10. Träume / Visionen
    In der Jugend liegt uns die Welt zu Füßen: grundsätzlich ist alles möglich, die Kraft scheint unbegrenzt. Je älter wir werden, desto eher stutz uns die Realität die Flügel. Und dennoch sind Träume oder Visionen der Treibstoff für unser Leben. Es sind vielleicht nicht mehr die großen Würfe – wir erkennen, dass wir vielleicht nicht mehr der berühmte Autor oder Popstar werden. Und dennoch sind Träume und Visionen auch im fortgeschritteneren Alter notwendig.

Fazit

Mit dem Lebensrad kannst du Klarheit darüber gewinnen, wo du gerade stehst und wo du Anpassungsbedarf siehst. Du kannst in einem nächsten Schritt erst einmal spielerisch darüber nachdenken, wie konkrete Schritte aussehen könnten, um dich in die richtige Richtung zu bewegen. Wenn du alleine nicht weiterkommst und professionelle Unterstützung suchst, dann vereinbare doch einen kostenlosen und unverbindlichen Kennenlerntermin. In dem Gespräch können wir schauen, wie und ob ich dich bei Deiner Veränderung unterstützen kann.

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