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Aufbruch Lebensmitte: Selbstführung

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des „Aufbruch Lebensmitte Netzwerktreffens“. Ungefähr ein Mal im Monat treffen sich Frauen ab der Lebensmitte online zum Austausch. Es gibt Impulse zur Lebensgestaltung, aber auch Tipps oder Feedback zu Fragen, die die Teilnehmerinnen gerade bewegen. Hier findest du mehr Infos und kannst dich dafür anmelden: Anmeldelink

Wer führt?

Das Titelbild zeigt eine kleine Papierschiff-Flotte. Es ist eindeutig, dass das rote Schiffchen führt. Was hat dieses Bild mit Selbstführung zu tun? Es könnte sein, dass es mit deiner Selbstführung gar nichts zu tun hat, denn vielleicht hast du dir noch nie Gedanken darüber gemacht hast, dass auch du selbst dich führen kannst.

Wir kennen Führung aus dem Sport, der Musik, aus der Arbeit sowieso. Wenn es keine Führung gibt, dann nimmt das Team oder das Projekt einen zufälligen Verlauf. Es erinnert dann vielleicht eher an eine Flipperspiel, bei dem die Kugel mit Wucht ins Spiel gelangt und durch jedes Hindernis eine neue Richtung nimmt.

Die Papierschiffchen aus dem Beitragsbild stehen für deine unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile. Da gibt es vielleicht die Vorsichtige, die Ungeduldige, die Abenteuerlustige und noch einige mehr. Das rote Schiffchen steht für den Anteil, der die anderen führt. Es entscheidet, welcher Persönlichkeitsanteil Vorfahrt bekommt, welcher vielleicht einen Moment warten muss oder gar nicht zum Zuge kommt. Das rote Schiffchen kann führen, weil es grob die Richtung kennt, in die sich dein Leben entwickeln soll und – ganz wichtig! – weil seine Führungsrolle anerkannt und akzeptiert ist.

Leadership Excellence ist nicht nur im Business gefragt

Die Idee zum Thema Selbstführung kam mir beim Lesen von Whitney Breers Buchs Führung beginnt bei dir – Eine Weltreise zu Leadership Excellence. Es ist ein Business Roman und soll der Protagonistin die wesentlichen Elemente erfolgreicher Führung vermitteln. Beim Lesen dachte ich, dass diese Elemente sehr gut auf das Thema Selbstführung übertragbar sind. Nicht nur auf die Selbstführung von Führungskräften, sondern auch auf die Selbstführung von allen Menschen, die ihr Leben bewusst gestalten wollen. Diese Gestaltung setzt Führung voraus – die Führung von sich selbst. Führung.

Zitat "Führung ist ein Privileg, kein Geburtsrecht."

Diesen Aspekt finde ich wichtig. Selbstführung wird uns nicht mit der Geburt geschenkt. Sie passiert nicht einfach so. Erst wenn grundlegendere Bedürfnisse (Nahrung, Wohnung, Sicherheit…) befriedigt sind, können wir überhaupt über Führung nachdenken und uns dafür entscheiden. Whitney Breer entfaltet ihren Businessroman rund um das PRISM Führungsmodell. Im folgenden stelle ich die einzelnen Bestandteile vor.

P hoch 3: Purpose, Passion, Perseverance

Auf Deutsch kann man die Begriffe nicht in so eine schöne Formel packen: Lebenssinn/übergeordnetes Ziel, Leidenschaft und Beharrlichkeit.

Lebenssinn

Wer schon länger auf meinem Blog mitliest, weiß, dass ich das Thema Lebenssinn zwar wichtig finde, aber die Hype um das Thema „Purpose“ mit gemischten Gefühlen sehe. Hier habe ich ausführlicher darüber geschrieben.

Wenn ich gelegentlich danach frage, wer seinen Lebenssinn kennt, dann gibt es immer eine Anzahl Menschen, die ihn nicht kennen. Man kann auch leben, ohne den Lebenssinn zu kennen. Ich finde, dass es manches vereinfacht, so z.B. das Priorisieren oder auch den Umgang mit Widerständen. Wenn ich weiß, wozu etwas dient, kann ich mich leichter motivieren, auch unangenehme Tätigkeiten anzugehen.

Eine leichtfüßige Übung, um sich dem Sinn des Lebens anzunähern, haben wir im Aufbruch Lebensmitte Netzwerktreffen am 14.08.2023 gemacht. Vorbereitend lege dir Stift und Papier bereit und stelle dir die Uhr auf 5 Minuten:

Stelle dir vor, du feierst deinen 95. Geburtstag und jemand hält eine Rede auf dich. Es muss nicht der 95. Geburtstag sein – es sollte aber einer sein, der in deiner Vorstellung ziemlich am Ende deines Lebens liegt. Stelle dir vor, was dieser Redner über dich erzählt. Was soll er erzählen? Was würdest du gerne hören? Schreibe dir alles auf, was du gerne hören würdest. Du musst keine druckreife Rede formulieren, Stichworte genügen vollkommen. Schreibe alles auf, was dir in den Sinn kommt.

Danach lies dir das Geschriebene durch. Bereits diese wenigen Minuten zeigen dir, worauf es dir im Leben ankommt. Du möchtest hören, dass du Andere ermutigt hast, über sich hinauszuwachsen? Das kannst du jeden Tag tun – und schon gibst du deinem Leben eine Ausrichtung. Was anderes ist Führung?

Leidenschaft

Wer wollte bestreiten, dass alles, was wir mit Leidenschaft tun, besonders gute Ergebnisse bringt? Vermutlich niemand. Ich möchte hier nur einwenden, dass es Unterschiede in Charakter und Temperament gibt. Es gibt mehr oder wenige leidenschaftliche Menschen – so wie es mehr oder weniger emotionale Menschen gibt. Und unbestritten werden wir etwas, das uns langweilt, nicht gut vorantreiben können.

Beharrlichkeit

Die meisten Menschen unterschätzen, was sie mit kontinuierlichen kleinen Schritten erreichen können. Dranbleiben ist ein stark unterschätzter Erfolgsfaktor. Leidenschaft ohne Beharrlichkeit führt nicht zu Ergebnissen. Beharrliche Menschen halten trotz Hindernissen und Rückschlägen unbeirrt an ihren Zielen fest. Diese Ausdauer zahlt sich besonders in langfristigen Unternehmungen aus, also vermutlich den allermeisten Projekten. Dranbleiben erfordert die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und an den Erfolg zu glauben, selbst wenn die anfängliche Begeisterung nachlässt.

Beziehungen

Im Management-/Leadership-Kontext geht es letztlich immer um das Erzielen gewünschter Ergebnisse. Und weil diese Ergebnisse nur durch Mitarbeiter erreicht werden können, spielen Beziehungen und Kommunikation eine wichtige Rolle. Schlechte Kommunikation erzeugt Unsicherheit, mangelnde Wertschätzung wirkt sich negativ auf die Motivation aus und beides zusammen führt zu schlechten Teamergebnissen.

Aber auch beim Thema Selbstführung geht es um Beziehung, nämlich um die Beziehung zu sich selbst. Wie sehr hörst du auf deine innere Stimme? Hörst du sie überhaupt oder reagierst du eigentlich nur auf die Trigger von außen? Wie sehr trittst du für dich selbst ein? Wie viel Wertschätzung hast du für dich selbst? Wie sprichst du mit dir, wenn etwas nicht so gut läuft? Kommen dir diese Sätze bekannt vor? „Ist ja mal wieder typisch, dass das mir passiert!“, „Ich bin einfach zu doof für…“ Forscher haben die Auswirkungen des Kommunikationsverhaltens auf die erzielten Teamergebnisse untersucht. Das Losada-Verhältnis beschreibt das Verhältnis von positiven zu negativen Aussagen. In ihren Untersuchungen haben sie herausgefunden, dass es mindestens 3 positive Äußerungen benötigt, um eine negative auszugleichen. Es lohnt sich, die eigene innere Stimme einmal dahingehend zu überprüfen. Lobst du dich selbst, wenn Dinge gut gelingen?

Energie

Ein weiteres Element des PRISM-Modells steht für die Energie, die die Führungskraft verbreitet (das I ergibt sich aus dem Englischen Instilling Energy). Ist der Chef selbst frustriert, wird er es kaum schaffen, seine Mitarbeiter zu motivieren.

Genau so verhält es sich auch bei der Selbstführung. Ohne bzw. mit negativer Energie wird es schwer Tatkraft und Motivation zu mobilisieren. Aber woher die Energie nehmen? Im Austausch beim Aufbruch-Lebensmitte Treffen zeigte sich, dass Energie ein sehr wichtiges Thema ist, denn allzu oft gehen wir über die eigenen Grenzen und achten nicht darauf, die Energiereserven rechtzeitig wieder aufzufüllen.

In diesem Beitrag habe ich ein Energieritual für den Tagesanfang beschrieben, das dir dabei hilft, dich gut auf den Tag einzustimmen.

Stärken erkennen und fördern

Eine Hauptaufgabe der Führungskraft ist es, Menschen zu entwickeln. Aber noch wichtiger halte ich es, dass wir uns selbst zu der Person entwickeln, die wir sein möchten. Denn eigentlich sollte es so sein, dass wir uns am allerbesten kennen. Was tust du für deine eigene Entwicklung?

Gar nicht so selten ist es so, dass einige unserer Stärken gar nicht bei der Arbeit zum Tragen kommen. Erstaunlich finde ich, dass ich immer wieder Menschen im Coaching begleite, die ihre Stärken gar nicht kennen. Eine bekanntes und anerkanntes Tool, um seine Stärken herauszufinden, ist der Clifton Strength Finder von Gallup. Für wenig Geld kann man seine 5 Top-Stärken mit diesem Test herausfinden. Natürlich kann man auch Arbeitskollegen, seinen Chef oder Freunde fragen. Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist die Selbstreflexion: Was tut man denn gerne und gut?

Mindset

Das Mindset, also die innere Haltung, ist das letzte Element des PRISM-Modells. Eine wichtige Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung ist die Rückmeldung von anderen Menschen. Wir sind soziale Wesen und können uns nicht im luftleeren Raum entwickeln (über die Macht des Umfelds habe ich in diesem Beitrag ausführlicher geschrieben). Im Leadership Kontext wird das Wachstum der Mitarbeiter idealerweise durch konstruktives Feedback gefördert.

Ein sehr gutes Modell für konstruktives Feedback bietet die Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg. Es lehrt zwei wichtige Regeln: Erstens, die Trennung von Beobachtung und Wertung, und zweitens, die Trennung von Verhalten und Person. Auch bei der Selbstführung spielt die Art, wie wir mit uns selbst kommunizieren, eine wichtige Rolle. Also: Bin ich doof oder habe ich mich ungeschickt verhalten, weil ich gestresst oder übermüdet war?

Sowohl im Leadership-Kontext als auch bei der Selbstführung ist die innere Haltung entscheidend. Aber: Kein Chef kann die innere Haltung von außen durch konstruktive Kritik verändern, wenn ich selbst nicht bereit bin, diese Kritik auf einen fruchtbaren Boden fallen zu lassen. In diesem Zusammenhang spielt die Unterscheidung zwischen starrem (fixed) und flexiblem (growth) Mindset eine Rolle

Fixed und Growth Mindset

Diese Unterscheidung geht auf die amerikanische Wissenschaftlerin Carol Dweck zurück. Dweck war Professorin für Psychologie an der Universität Stanford und gilt als Autorität auf dem Gebiet der Persönlichkeit, Motivation und psychosozialen Entwicklung. Sie wollte wissen, wie unterschiedliche psychologische Denkweisen sich auf den persönlichen Erfolg oder Misserfolg auswirken. Dafür hat sie ein Experiment in einer Schule gemacht.

Dweck gab Schülern eine unlösbare Aufgabe und beobachtete ihre Reaktionen. Dabei stellte sie fest, dass es zwei Gruppen gab, die sie in fixed und growth mindset unterteilte.

F . D: Persönliches Scheitern (starres bzw. Fixed Mindset) oder lehrreiche Herausforderung (flexibles bzw. Growth Mindset)

  • Fixed Mindset:  Diese Schüler interpretierten die ungelöste Aufgabe als persönliches Scheitern. Das Fixed Mindest besagt, dass man Fähigkeiten als etwas Gegebenes, Unveränderliches ansieht. Charakteristische Aussage: Ich kann das nicht.
  • Growth Mindset:  Diese Schüler interpretierten die Aufgabe als Herausforderung – obwohl auch sie nicht in der Lage waren, die Aufgabe zu lösen. Im Growth Mindeset werden Probleme als Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und etwas Neues zu lernen, interpretiert.
    Charakteristische Aussage: Ich kann das noch nicht.

Wer sich tiefer mit diesen Konzepten befassen möchte, dem empfehle ich Dwecks Buch Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt.

Selbstführung ist eine Entscheidung für ein zufriedenes Leben

In der Arbeitswelt gibt es unzählige Schulungsangebote, um Führungskräfte auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Ja, ich weiß: nicht für alle stehen diese Angebote zur Verfügung und es sind auch nicht alle geeignet für die Aufgabe. Wichtig an dieser Stelle ist, dass Führung von Mitarbeitern und Selbstführung viele Parallelen aufweist. Auch Selbstführung passiert nicht einfach von alleine, sondern ist eine bewusste Entscheidung. Wir können uns treiben lassen und uns von den Umständen oder anderen äußeren Faktoren führen lassen. Oder wir schauen, was uns wichtig ist und wie wir das in unserem Leben verwirklichen können. Diese Entscheidung kann uns niemand abnehmen. Meiner Meinung nach geht es geht um nichts Geringeres als um die Entscheidung für ein zufriedenes, glückliches Leben.


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