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5 Business-Trends 2023 – 5 Chancen für die berufliche Neuorientierung ab der Lebensmitte

2022 war aus verschiedenen Gründen schwierig: Corona, Ukraine, Rekordinflation, Klimawandel und noch einiges mehr. Jede dieser Krisen für sich genommen, wäre schon genug Grund zur Sorge. Es sind Phänomene, die außerhalb des Einflussbereichs der Einzelnen liegen. Da können leicht Ohnmachtsgefühle und Angst oder Wut auftauchen. Ich möchte diesem Gefühl etwas entgegensetzen, denn ich sehe in 2023 verschiedene Business-Trends, in denen auch Chancen für Menschen, die sich beruflich verändern wollen, liegen. Der Arbeitsmarkt für Menschen über 50 war bisher beispielsweise ziemlich eng. Die gute Nachricht ist, dass sich das allmählich ändert.

In 2023 sehe ich fünf Business-Trends, die allesamt nicht neu sind, sich aber fortsetzen und verstärken werden. Diese Trends begünstigen Menschen ab der Lebensmitte, die sich beruflich neu orientieren wollen. Allerdings sind günstige Rahmenbedingungen nicht der Garant dafür, dass es auch klappt mit den Wünschen. Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation kann der Ausgangspunkt sein für den Weg zu einem Beruf, der besser passt. Auf diesem Weg gibt es verschiedene Stationen zu bewältigen. Die eigenen Wünsche herauszufinden ist eine davon und das ist oft gar nicht so einfach wie es sich anhört.

Es gibt natürlich deutlich mehr Business-Trends als in diesem Beitrag aufgeführt. Ich habe diejenigen Trends ausgewählt, in denen eine Chance für die berufliche Neuorientierung liegt. Es würde mich freuen, wenn der Beitrag eine Ermutigung für diejenigen ist, die sich 2023 auf den Weg machen möchten. Ihnen möchte ich zurufen: Veränderung ist möglich!

Trend #1: Fachkräftemangel

Deutschland 2022: Der Fachkräftemangel ist gravierend und hat Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Geschäfte müssen schließen, weil sie keine Arbeitskräfte finden, Produktionskapazitäten können nicht genutzt werden, Neubauten schleppen sich hin, weil Handwerker kaum noch freie Kapazitäten haben.
Im Zwölf-Monats-Durchschnitt von Juli 2021 bis Juli 2022 konnten über 530000 Stellen nicht besetzt werden. Und das nicht nur im Gaststättenbereich oder in Gesundheitsberufen, sondern in den verschiedensten Branchen.
Einerseits hat Corona das Problem verschärft, aber auch der demografische Wandel, also die Tatsache, dass das Durchschnittsalter in Deutschland beständig steigt, verschärft die Lage. Die Situation ist so alarmierend, dass die Bundesregierung im Oktober eine Fachkräftestrategie beschlossen hat. Hintergrundinformationen befinden sich in diesem Beitrag des Deutschlandfunks.

Was dem einen schadet, nutzt dem anderen. Für Menschen ab der Lebensmitte war es bisher relativ schwierig, sich noch einmal neu zu orientieren, denn oft scheiterten sie bereits am Bewerbungsverfahren und wurden gar nicht erst zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Auch in den Unternehmen selbst wurden erfahrene Mitarbeiter zuweilen eher als Kostenfaktor betrachtet, deren Wissen veraltet sei, und zu wenig innovativ seien sie obendrein. Stattdessen wurde das Loblied auf die „Generation Z“ gesungen – kein Wunder, dass der Frustpegel bei den „Alten“ stieg.
Die Fachkräftelücke ist nach meiner Einschätzung eine Chance für alle, die sich in der Lebensmitte neu orientieren wollen. Siehe hierzu auch den LinkedIn-Beitrag über 23 Big Ideas für 2023.
Besonders Frauen, die ihre Berufstätigkeit zugunsten der Familie zurückgefahren haben, werden davon profitieren. Zwar gibt es noch einige Hürden zu überwinden, denn die Geisteshaltung auf beiden Seiten ändert sich nur langsam. Für alles braucht es scheinbar Zeugnisse, Berufserfahrung. Zertifikate und Nachweise. Genau das haben die Frauen jedoch oft nicht. Aber sie haben in den verschiedensten Familienprojekten sehr wertvolle Softskills erworben. Die Frauen dürfen selbstbewusster ihre Erfahrungen anpreisen – und die Unternehmen müssten mutiger werden und sich nicht allzu sehr durch formale Qualifikationen absichern wollen.

Berufsgruppen mit den meisten offenen Arbeitsstellen am ersten Arbeitsmarkt in Deutschland im November 2022
Quelle

Trend #2: absehbarer Kollaps des Rentensystems

Natürlich wird das Rentensystem nicht im Jahr 2023 kollabieren. Aber es ist dringend reformbedürftig. In diesem sehr lesenswerten Beitrag, stellt Thomas Sigmund fest, dass 1957 sechs Personen im erwerbsfähigen Alter auf einen Rentner kamen. 2040 werden weniger als zwei Erwerbstätige einen Rentner finanzieren müssen. Diese Zahlen kann man nicht ignorieren. Die Diskussion um die Erhöhung des Rentenalters ist eine Reaktion darauf. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Möglichkeiten, vorzeitig in Rente zu gehen, in den nächsten Jahren drastisch eingeschränkt werden.
Die Chance, die ich für Menschen ab der Lebensmitte sehe, ist ein neuer Blick auf die Situation. Wenn man davon ausgehen muss, dass man wirklich bis 67 Jahren arbeitet, dann hat man mit 47 Jahren noch 20 Jahre Arbeitszeit vor sich. Das ist eine lange Zeit! Eine Zeit, in der man sehr wohl noch eine zweite Karriere in einem anderen Bereich starten kann. In Verbindung mit Trend #1 wird daraus ein kräftiger Rückenwind. Ich würde sagen, es war selten so leicht möglich, auch im fortgeschritteneren Alter einen neuen Berufsweg einzuschlagen.

Die interessante Kurve in diesem Zusammenhang ist die weinrote, die den Anstieg der älteren Bevölkerung eindrucksvoll zeigt
Quelle

Trend #3: Skills werden wichtiger als Wissen

Eigentlich liegt es ja auf der Hand, dass es so sein muss, denn die Arbeitsprozesse haben sich durch die Digitalisierung bereits enorm verändert. Dazu kommt, dass das Wissen sich rasant vermehrt und es ist für jeden eine Herausforderung, sein Wissen einigermaßen aktuell zu halten. Deshalb ist z.B. Lernbereitschaft tendenziell wichtiger als Wissen. Das gilt aber auch für andere Softskills, wie z.B. Teamfähigkeit oder Anpassungsfähigkeit. Für Menschen ab der Lebensmitte kann darin eine große Chance liegen, denn sie haben bereits viele Erfahrungen gesammelt und können mit diesen Erfahrungen belegen, über welche Softskills sie verfügen. Von diesem Trend werden nach meiner Einschätzung wiederum überwiegend Frauen profitieren, denn oft mangelt es ihnen an formalen Qualifikationen, aber sie haben Erfahrungen über familiäres Engagement gesammelt. Profitieren wird allerdings nur derjenige, der die Chance auch ergreift.
Als Beispiel dazu fällt mir eine Frau ein, die in meinem Aufbruchs-Sehnsucht-Lebensmitte-Kurs war. Sie war mit knapp 60 Jahren arbeitslos geworden. Hatte viele Jahre im Kommunikationsbereich gearbeitet, aber ehrenamtlich schon immer sehr viel mit Kindern gemacht. Zunächst hatte sie die Idee, sich mit Entspannungskursen für Kinder selbständig zu machen. Über ein Praktikum in einer Kindertagesstätte eröffnete sich die Chance, dort das Sprachförderangebot für Flüchtlingskinder zu betreuen. Sie hat diese Stelle bekommen, obwohl sie deutlich über 50 war und obwohl sie keine Ausbildung als Erzieherin hat. Sie konnte allerdings überzeugend darlegen, dass ihre Erfahrungen sie am besten zu den Anforderungen für diese Stelle passen.

Trend #4: Gründen 50Plus

Einerseits führt der demografische Wandel dazu, dass das Durchschnittsalter beständig steigt. Andererseits ist aber auch der Alterungsprozess im Wandel.

Die Art und Weise, wie Menschen älter werden, löst sich immer mehr vom biologischen Alter ab. Es bilden sich Gruppen von „Schnellalternden“ und „Frühvergreisenden“ heraus. Und gleichzeitig diffundieren die Generationsgrenzen: Jugendlich- oder Altsein ist keine Frage des Alters mehr.

Zukunftsinstitut

Auch das Durchschnittsalter der Firmengründer steigt. Es kommen drei Faktoren zusammen: der demographische Wandel (es gibt immer mehr Ältere), die Älteren sind tendenziell fitter als früher (60 is the new 40) und es gibt viele Ideen für Neugründungen im Gesundheits- und Pflegebereich oder auf dem Gebiet des lebenslangen Lernens. Das sind Gebiete, in denen Erfahrung sich positiv auswirkt.

Yani Neugebauer vom Gründungszentrum 50Plus meint, dass es für über 50-jährige oft leichter ist, über eine Gründung wieder in den Arbeitsmarkt zu kommen. Wenn der Arbeitsmarkt (noch) zu starr ist für ältere Arbeitslose oder Wiedereinsteiger:innen, dann kann eine Unternehmensgründung ein guter Weg sein. Weil Neugründungen mit 50Plus kein Randphänomen mehr sind und es inzwischen auch vermehrt Unterstützung für diese Zielgruppe gibt, schätze ich diesen Trend als eine Chance für Menschen ab der Lebensmitte ein.

Ein sehr schönes Beispiel, wie man mit knapp 50 gründen kann und dann doch wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen kann, ist für mich Sonja Wolf. Ihre inspirierende Geschichte hat sie mir in diesem Interview erzählt.

Trend #5: Work from Anywhere

Wenn Corona eine Sache verändert hat, dann ist es die Haltung zur Arbeit aus dem Home-Office. Als meine Kinder um die Jahrtausendwende auf die Welt kamen, war es noch nicht gerne gesehen, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Vorgesetzten hatten ihre Mitarbeiter lieber im Blick und argumentierten, dass Software-Dokumentation den persönlichen (sprich: vor-Ort) Kontakt mit dem Software-Entwickler bräuchte. Die Zeiten haben sich geändert. Es gibt inzwischen viele Stellenausschreibungen, die als Standort das Home-Office anbieten. Immer mehr Unternehmen überlegen, ihre Büroflächen zu reduzieren – die Telekom plant bspw. längerfristig auf die Hälfte der Bürofläche zu verzichten.

Damit wird der Pool an potenziellen Stellenangeboten für Jobsuchende größer, denn sie können sich jetzt zusätzlich auch noch auf ortsunabhängigen Stellenausschreibungen bewerben. Ob das jemand will, ist natürlich eine ganz andere Frage. Nicht jeder möchte ausschließlich remote arbeiten und es braucht neben der technologischen, auch besondere soziale und emotionale Kompetenzen, um diese Arbeitsform gut gestalten zu können.
Nichtsdestotrotz sehe ich diesen Trend als Chance für alle Erwerbstätigen. Nicht nur im Falle einer Neuorientierung, sondern es könnte auch die Lebensqualität erhöhen: Fahrtzeiten werden geringer und Ruhezeiten können besser in den Alltag eingebaut werden.


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